Man könnte meinen, diese KI-Chatbots seien die perfekten Kollegen: Immer verfügbar, nie müde und bereit, jede noch so komplizierte Frage zu beantworten. „Die KI“ ist multitaskingfähig wie ein Oktopus auf Espresso. Sie beeindruckt mit einer Mischung aus Bibliothekarwissen, Gedächtniskunst und unerschütterlicher Freundlichkeit. Sie kann Gedichte schreiben, Aufsätze formulieren und selbst die kniffligste Mathematik zerlegen – alles in Sekundenschnelle.
So beeindruckend meine Kollegin KI ist, sie hat doch so ihre Macken. Ironie und Sarkasmus versuchen wir lieber nicht, unpräzise Fragen sollten wir besser vermeiden. Außerdem merkt sie sich nichts, was gestern besprochen wurde. Das ist aber leider auch kein Alleinstellungsmerkmal.
Typische Anwenderfehler scheinen sie ebenfalls zu begleiten: Sie kann dann doch keine Gedanken lesen, moralische Entscheidungen treffen oder über Nacht ein literarisches Meisterwerk zaubern. Oder überhaupt sinnvoll aufgebaute Texte über mehr als eine Seite schreiben.
Und auch mit der Präzision hapert es. Haben Sie mal versucht, das Bild einer Uhr zu erstellen?
Prompt: Erstelle mir das Bild einer Uhr, die 5 vor 12 zeigt.
ChatGPT 11:56
Copilot 11:59
muryou-aigazou 11:50
Liebe KI: Knapp daneben ist auch vorbei.
Der versierte Leser wird nun sagen, man solle doch genauer werden. Einen Versuch wäre es Wert. Adobe Firefly verweigert heute aber den Dienst. Oder ist die Kollegin KI etwa schon in der Mittagspause?
Natürlich kann KI unsere Abläufe optimieren. Am Ende bleibt sie ein Werkzeug, ein unpräziser Alleskönner auf Knopfdruck, dessen Arbeitsergebnisse man sehr genau unter die Lupe nehmen sollte.
In diesem Sinne, präziser ausgedrückt:
Erstelle mir das Bild einer Uhr, der kleine Zeiger steht auf der 12, der große genau auf der 11.
Danke Copilot – dann ist wohl doch schon Mittagspause!
Outtake: Ich frage Copilot, welchen Prompt er für das gewünschte Ergebnis benötigt:
„Eine analoge Uhr mit nur einem Zeiger, der exakt auf die 11 zeigt.“